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Seit ein paar Tagen geht wieder der Hashtag  #JMStV durchs Twitterland. Was sich hinter der Abkürzung verbirgt, schreibe ich genauso oft falsch, wie die Abkürzung selbst: Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Diese wunderbare Wortzusammensetzung, die leider nicht zum Jugendwort des Jahres gekürt wurde, erregt gerade in der Blogosphäre und bei den Microblogging-Dienste großes Interesse – sogar Wutreden.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die ganze Diskussion bisher ein bisschen an mir vorbeiziehen ließ, weil ich bei rechtlichen Sachen genauso bewandert bin, wie bei dem Schachweltmeisterschaftsfinale von 1978. Eher suboptimal. Aber das Internet lässt mich meine Unwissenheit ja aufholen und wenn ich es jetzt einigermaßen richtig verstanden habe, dann hatte man große Hoffnungen in die Koalition von NRW – insbesondere die Grünen – gesetzt, der Novellierung des Gesetzes zum 1. Januar 2011 nicht zuzustimmen.

Doofe Zwänge in einer Demokratie

Diese doofen Zwänge in einer Demokratie

Die Grünen NRW sind auch vollkommen dagegen und so, aber leider kommen dann die „parlamentarische Zwänge“ und aus die Maus, es muss dafür gestimmt werden. Mist.

Kein schlechtes Thema, zwar nicht so interessant wie irgendwelche Depeschen von 2008, aber doch eigentlich ein Thema. Leider denken wohl die Onlineabteilungen der renomierten Medien da anders. So wird in der Netzwelt auf SpiegelOnline lieber über die Xbox oder Retro-Synthesizer-Apps berichtet und der letzte Artikel zum JMStV liegt rund fünf Monate zurück. Bei der Zeit sieht es auch nicht anders aus. Auf Sueddeutschen.de führen viele Suchanfragen* ins Leere und noch nicht mal auf die Bild.de und Welt.de ist Verlass. In keinem dieser Onlineangebote habe ich was zu der aktuellen Diskussion gefunden. Noch nicht mal auf der Seite der Tagesschau steht etwas. Sehr enttäuscht bin ich auch von taz.de, die bisher nichts berichtet hat. Was wäre, wenn der CDU dieser Fauxpas unterlaufen wäre?

Woran kann das liegen? Ich habe da zwei sehr persönliche Theorien:

Entweder es handelt sich auf Twitter und in den Blogs wirklich nur um einen Sturm im Wasserglas und hier wird heißer gekocht als gegessen (oder so). Oder die klassischen Medien haben an dem Thema kein Interesse, weil es sie nicht betrifft und es daher keinen natürlich keinen Mehrwert für den Leser hat. Sollte aber bei Apple eine halbe Stunde lang der Internetshop nicht funktionieren oder ein amerikanischer Diplomat hat vor zehn Jahren gesagt, dass Helmut K. doof ist, dann haben wir eine „Eilmeldung„.

Ich bin mir wirklich nicht so sicher, wie hoch das Thema eingestuft werden soll, aber wenn man sich die Faktoren anschaut, dass hier A. ein Gesetz verabschiedet wird, was komplett anachronistisch ist und B. sich die Grünen diesem Gesetz wegen „parlamentarischen Zwänge“ fügen und C. es darüber schon eine Diskussion (die genaue Größe ist mir nicht bekannt) gibt, dann ist das doch wenigsten einen kleinen Artikel zwischen Hitlers Düsenjäger und Xbox wert. Oder?

*Es kann natürlich auch ein meiner Unfähigkeit liegen, die Suchfelder der Seiten ordentlich zu bedienen. In dem Fall nehme ich alles zurück.

[Update 30.11.10 / 17.30 Uhr] Jetzt wurde bei Spiegel Online ein Artikel zu dem Thema veröffentlicht.

[Update 2 am 1.12.10 / 7.30 Uhr] Gerade habe ich auch auf Zeit.de einen Artikel von gestern Abend entdeckt. Den letzten Absatz aus dem Artikel möchte ich hier mal zitieren, weil der wohl zeigt, dass Protest im Netz etwas bewirken kann und das mit dem #JMStV nicht nur ein Sturm im Wasserglas war/ist:

Vielleicht hat der Aufruhr im Internet tatsächlich etwas bewirkt. Ein führender Grünen-Politiker zumindest hofft, „dass auch in der SPD jetzt endlich mehr als ein, zwei Leute begreifen, was der Staatsvertrag für das Internet bedeutet. Die sollten sich einfach mal ansehen, was in der Netz-Community gerade abgeht, dann werden die von alleine noch mal drüber nachdenken.“

[Update 3 am 1.12.10 / 9.26 Uhr] Auch auf Sueddeutsche.de wird nun berichtet.

[Update 4 am 2.12.10 / 18 Uhr] Nur zwei Tage später berichtet auch die taz über den Shit-Storm über NRW.

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Das ist doch von Frank Zappa!?

Zufälle gibt es, die sind sogar ein bisschen unwahrscheinlicher als Schnee im Winter – obwohl ich mich natürlich schon wieder auf einen Brennpunkt im Ersten freue.

Zurück zum Zufall: da surfe ich so vor nen paar Wochen durchs Netz und stoße auf das sympathische Webradio Quu.fm aus Hamburg (haben Webradios einen Standort?) dessen Konzept mir durchaus gefiel: als Social Media-Radio wollen sie besonders die Hörer an der inhaltlichen Gestaltung teilhaben lassen. Zum Beispiel in der Sendung Shuffle können sich Leute bewerben und dann 12 ihrer Lieblingssongs einschicken, dann noch ein kleines Interview mit Lars Nemeth führen und schon ist eine Stunde Radiosendung im digitalen Kasten. Cool dachte ich mir, aber beworben hatte ich mich trotzdem nicht.

Ein paar Wochen später hatte ich dann aber eine nette Mail von Christina bekommen, die mich fragte, ob ich nicht mal so 12 Songs für Shuffle zusammenstellen möchte. Ja klar, warum denn nicht. Und heute Abend ab 21 Uhr ist es soweit und ich kann ein paar meiner derzeitigen Lieblingssongs präsentieren.

Dabei geht es ein bisschen gemischt zu. Der erste Teil ist ein bisschen gitarrenlastiger und soll eher die Beine bzw. den Kopf bewegen und im zweiten Teil habe ich mir gedacht soll dann der Inhalt des Kopfs bewegt werden. Hoffentlich ist mir das einigermaßen gelungen. Auf jeden Fall hat mir auch auch das Gespräch mit Lars sehr viel Spaß gemacht und wenn der geneigte Leser dieser Seite auch mal ein bisschen Musik präsentieren will, dann kann man sich mit einer Mail bewerben oder einfach auf den Zufall warten.

Meine Playlist heute Abend:

1. Chuck Ragan – The Boat
2. The Draft – New Eyes Open
3. Hot Water Music – Turnstile
4. The Gaslight Anthem – Senor And The Queen
5. Volbeat – Sad Man’s Tongue
6. Shy Nobleman – Sad Song Happy Song
7. Interpol – Memory Serves
8. Kings Of Leon – Beach Side
9. Kettcar – Alles Vorstellen (Keine Guillotine Weit Und Breit)
10. Christiane Rösinger – Berlin
11. Brother Ali – Forest Whitiker
12. Múm – Once A Shiny Morning Puddle

P.S. Durch das Gespräch über meinen Blog ist mir wieder aufgefallen, dass hier viel zu wenig passiert, aber es ist leider auch sehr aufwendig bzw. nervt es mich auch, dass ich meine Sonntagssongs nicht weiterführen konnte, weil jedes zweite Video bei Youtube gesperrt war. Aber wenn jemand eine gute Idee hat, was für eine Serie ich hier angehen könnte, dann immer her damit. Zudem ist der Blog auch frei für andere Autoren und ich veröffentliche auch sehr gerne Texte, die ihr schon immer mal loswerden wolltet.

P.P.S. Heute Abend wird dann auch aufgelöst, was das alles mit Frank Zappa zu tun hat.

.die papierrolle

Vor gut einer Woche fand in der Essener Philharmonie der BDZV-Zeitungskongress statt. Auch politikorange war dabei und wir haben ein Magazin namens „Druckreif“ produziert. Ein paar Zeilen habe ich auch selber verfasst und die wollte ich auch kurz hier stehen lassen. Viel interessanter ist aber das ganze Heft, was man hier herunterladen [pdf, ca. 8 mb] kann.

Meine paar Worte jetzt hier:

Die Papierrolle
Internet ist die neue Zeitung, frohlocken die digitalen Denker, beleuchtet von einem Bildschirm. Dabei werden das Web und sein Zubehör das Nachrichtenpapier in manchen Situationen nie ersetzen. Eine kleine anachronistische Argumentation.

„Wir drucken das Internet aus“, prangte auf dem Titel der „Welt Kompakt“ vom 1. Juli. Tolles Ding, dachte sich wohl der Springer-Verlag, wenn man einfach mal Blogger die Zeitung machen lässt.

Die aus dem Internet sollten mal ran und somit auch beweisen, dass die Zeitung noch wichtig ist. Natürlich ist die Zeitung wichtig, da waren sich auch so gut wie alle auf dem BDZV-Kongress einig. Aber muss man deswegen das „Internet ausdrucken“, um „Content“ zu haben? Ja, denn ohne bedrucktes Papier würde  unsere  Welt  zusammenbrechen, komplette Märkte würde es nicht mehr geben. Hausmänner und Hausfrauen würden verzweifeln, wenn es keine Zeitung mehr gäbe.

Es fängt schon an bei einem Umzug, wenn die Zeitung zur Porzellanpolsterung wird und später zum Spritzschutz beim Renovieren. Wenn es keine Zeitung mehr gäbe, wie sollten dann Kinder ihr Taschengeld aufbessern – wenn sie keine gerollten Nachrichtenträger in den Vorgarten werfen? Viele Grillfeste im Sommer würden ausfallen, weil keine Anzünder mehr da wären. Geburtstagsfeiern wären um ein Event ärmer, wenn kein Zeitungstanz mehr zwischen Blinde Kuh und Topfschlagen die Zeit vertreibt. Worüber soll man sich in der Bahn noch aufregen, wenn der Sitznachbar nicht mehr beim Umblättern knistert?

Kurzum – ohne Zeitungen wäre unsere Welt um ein sehr nützliches Produkt ärmer. Es wäre nur eine Frage der Zeit, wann dieses Internet noch das Rad abschaffen will. Nein, so weit darf es nicht kommen und in aller Verzweifelung  sollten  auch  Sponti-Sprüche neu gedichtet werden:

„Erst wenn es keine Zeitung mehr gibt, werdet ihr merken, dass man Fisch in kein iPad einrollen kann.“

.wir in afrika

Wir waren live dabei als das deutsche überdimensionierte Flugzeug in Afrika gelandet ist. Jede Zeitung berichtet über unsere tollen deutschen Jungs in Südafrika und freuen sich, wie von Sieg zu Sieg gestürmt wird, aber waren geschockt als der Spielführer Kapitän ausgefallen. Dazu gibt es ein paar Berichte, wie doch der lustige Afrikaner halbnackt einen Kriegstanz aufführt. Wir fühlen uns wohl, weil die Weltmeisterschaft so wichtig für die armen Neg Schwarzen ist, aber regen uns über die nervigen Tröten auf. Können die nicht vernünftig Rumgröhlen wie wir Europäer?

Wir diskutieren über den deutschen Angriff, über den Schuss von Podolski der eine Granate war, über unsere perfekten Flanken in den gegnerischen Strafraum, schalten die Verteidigung von Australien aus und tragen T-Shirts von unserem Helden Gerd „der Bomber“ Müller. Jeden Sieg feiern wir mit Hupkonzerten und „Sieg Sieg Sieg“-Schreien, aber wir verstummen und sind empört, wenn jemand das Wort „Reichsparteitag“ bei einem Fußballspiel ausspricht. Nein! Das darf nicht sein!

Oberflächlichkeit, ick hör dir trapsen.

Wer weiß über was Frau von der Leyen im Netz so lacht... (Bild von: Khalid Aziz / http://www.jugendfotos.de)

„Wenn Zensursula Bundespräsidentin wird, trete ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Bundesbürger zurück.“ – diese 112 Zeichen hatte ich gestern bei Twitter hinterlassen. Es war eine Reaktion auf das Gerücht, dass Ursula von der Leyen aus den Reihen der CDU für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen werden soll.

Ich setze viele Tweets ab und 99% sind davon sind kurze Gedankenblitze, die mehr oder weniger (meist weniger) lustig sind. Es freute mich aber sehr, als viele andere Leute meinen Tweet wiederholt haben. So wie ich mich auch freue mit einem guten Witz auf einer Party Leute zum Lachen zu bringen. Aber genau wie bei einem Partywitz, sollte auch nur das Zitat flüchtig sein, kurz erheitern und dann auch wieder verschwinden. Ich selbst habe danach schon wieder ein paar mehr oder weniger (eher weniger) gute Tweets abgesetzt.

Jetzt lese ich aber gerade einen Artikel auf Welt.de, dass ich mit dem Tweet „drohe“ und stehe in einem Zusammenhang, dass sich Internetuser über „Zensursula“ beschweren und das nicht sein kann, bzw. diese Netz-Bürger sich wohl wenig für Politik interessieren, wenn sie Ursula von der Leyen immer noch für das Internetsperrgesetz verurteilen, was nie in Kraft getreten ist.

Vertrauen in das Amt des Bundespräsidenten.

Ich finde das ziemlich vereinfachend und an dieser Stelle meine Gedanken hinter den 112 Zeichen erklären.

Ja, ich habe für den Tweet das Wort „Zensursula“ und nicht Ursula von der Leyen gebraucht, weil ich es einfach kurz und knackiger finde, aber trotzdem weiß man wer gemeint ist. Eine andere Zeitung aus dem gleichen Verlag wie „Die Welt“ macht dies auch ab und zu. Mit dem Rest des Tweet habe ich nur eine Ableitung der Rücktrittserklärung von Horst Köhler umgemünzt. Aber warum?

Als ich gelesen hatte, dass Frau von der Leyen vorgeschlagen werden soll,  dachte ich nicht sofort wieder an das Internetsperrgesetz (obwohl ich sie natürlich auch noch damit verbinde), sondern ich war überrascht, dass eine aktuelle Bundesministerin Bundespräsidentin werden soll bzw. es auch kann. Wenn ich mich aus meinem Studium recht erinnere soll ein Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin parteipolitisch neutral sein. Dies ist nicht immer möglich, weil viele Bundespräsidenten auch einer politischen Partei angehören und zudem auch Regierungsämter inne hatten. Das Parteibuch soll aber dann in der Amtszeit als Bundespräsident ruhen, um parteiunabhängig zu agieren (wenigsten symbolisch).

Ich war deswegen verwundert, dass ein aktuelles Regierungsmitglied vorgeschlagen werden kann, weil eine Parteiunabhängigkeit dadurch doch unmöglich wird. Ich stelle mir die Frage, wie zum Beispiel Frau von der Leyen ein Gesetz als Bundespräsidentin unterschreiben kann, was sie vielleicht noch selbst als Arbeitsministern mit auf den Weg gebracht hat? Kommt es dann nicht zu einer Vermischung, die nicht ganz ungefährlich für die Demokratie ist?

Horst Köhler hatte verschiedene Gesetze nicht unterschrieben (unter anderem das Internetsperrgesetz von Frau von der Leyen), weil er nicht glaubte, dass diese konform mit dem Grundgesetz seien. Daraus hat sich bei mir eine Achtung gegenüber Horst Köhler und dem Amt des Bundespräsidenten entwickelt, weil es eine (wenn auch politisch schwache) Institution gibt, die neben dem Verfassungsgericht, die Gesetze der Regierung kontrolliert.

Aus dieser Überlegung heraus war ich auch ein bisschen enttäuscht, dass das Amt von der aktuellen Regierung auch in einer gewissen Art „entwertet“ wird, wenn sie lieber eine Spitzenpolitikerin aus ihren eigenen Reihen an der Spitze unseres Staates haben wollen, als einen Kandidaten wie Horst Köhler, der auch damals von der CDU vorgeschlagen wurde und die Regierungsarbeit später auch mal kritisierte.

Ich wollte mit dem Tweet auch nicht direkt Ursula von der Leyen kritisieren, sondern darauf hinweisen, dass ich als Bundesbürger ein gewisses Vertrauen in das Amt des Bundespräsidenten setze, zum Beispiel dass es überparteilich ist. Ich kann mir leider nicht vorstellen, dass ein noch aktuelles Mitglied der Regierung dieses Vertrauen erfüllen kann.

„Ohrenflimmern“ ist ein Bundesbürger

Schade, mit der langen Erklärung ist es irgendwie nicht mehr so witzig, aber vielleicht auch nicht mehr so platt, wie esDie Welt“ dargestellt hat. Zudem finde ich es auch immer ein bisschen komisch, dass Internetuser hinter ihren Pseudonymen versteckt werden, was dem Leser suggeriert, dass die Tweets  nicht so ernst seien. Zwei Klicks hätten gereicht, um herauszufinden, dass mein echter Name hinter „Ohrenflimmern“ Andreas (Andi) Weiland ist, ich 25 Jahre alt bin und in Münster studiere. Aber vielleicht würde es mit solchen Informationen nicht mehr so toll wirken, wenn sich nur ein „Internetnutzer“ aufregt, weil dann wäre ich ja ein Bürger.

Aber dieser Bürger wählt den Bundespräsidenten ja eh nicht, aber er vertraut ihn. Dieses Vetrauen müsste sich Zensursula Ursula von der Leyen bei mir sehr lange erarbeiten.

 

UPDATE: Bei Telepolis habe ich einen unglaublich guten Artikel gelesen, der noch viel ausführlicher meine Gedanken über „Röschen“ und das Bundespräsidialamt veranschaulicht.

politikorange-Magazin "Arbeiterbewegung"Wir nennen es Arbeit“ – das ist ein schöner Titel mit dem ich auch gerne irgendwelche Situationen zitiere, weil ich kann mich über Arbeit zur Zeit auch nicht beklagen.

Also auf der einen Seite habe ich genug Arbeit und auf der anderen Seite macht mir ein Teil der Arbeit auch Spaß. Besonders die Arbeit an einer neuen politikorange kann mir sehr viel Spaß machen. Besonders wenn sie sich dann noch um ein Thema wie Arbeit handelt. Denn solche Themen sind so schön abstrakt, dass man viele Ideen ausprobieren und im Magazin unterbringen kann.

Ich habe mir in der politikorange „Arbeiterbewegung“, die auf dem DGB-Kongress erstellt und heute den taz-Abonnenten beilag, Gedanken über das Thema Creditpoints an Universitäten gemacht und ob sie den Sinn einer Vereinheitlichung wirklich erfüllen.

Die gesamte politikorange kannst du dir hier anschauen und herunterladen. An dieser Stelle jetzt mein Kommentar aus dem 24-seitigen Magazin, welches heute auch von einem Redakteur des Medium Magazin per Twitter gelobt wurde:

***

Die Kreditkrise der Kommilitonen
Creditpoints haben das Studium nicht vereinfacht, sondern Wissen zu einer Währung verkommen lassen. Wenn es eine Wissenswährung gibt, dann sollten auch die Studenten damit handeln können. Ein Kommentar von Andi Weiland

Es ist mal wieder Semesteranfang und es ist mal wieder nervig. Die Kurse zu voll und es geht doch nur um das „Organisatorische“. Man quält sich durch den „Verlaufsplan“, die „Anforderungen an das Seminar“ und die Vergabe von Referatsthemen. Man packt seinen Notizblock schon ein und dann kommt der gefürchtete Satz von einem Studenten, meist aus den hinteren Reihen: „Wenn ich nur eine Hausarbeit mit zehn Seiten schreibe, bekomme ich dann trotzdem drei Creditpoints?“ – Das böse Wort ist ausgesprochen: „Creditpoints“. Und jetzt geht es los: der Professor sagt, dass er es nicht genau weiß, ein anderer Student weiß das schon besser und eine Kommilitonin hat noch eine ganz andere Frage, nämlich ob sie vier Creditpoints bekommt, wenn sie einen extralangen Handzettel zu ihrem Referat anbietet. Das Feilschen ist in vollem Gange. Dabei sollten die Creditpoints doch alles vereinfachen.

In der Theorie des „European Credit Transfer System“ war es so gedacht, dass die Arbeitsstunden von Studenten, egal, ob in Irland oder Rumänien, vergleichbar sind: 30 Stunden Arbeitsaufwand bringen einen Creditpoint – klingt logisch. Doch es gibt auch Unwägbarkeiten im System: Der Lehrplan ändert sich während des Studiums und ein Modul, das früher zehn „Credits“ wert war, ist nun nur noch fünf Punkte wert. Können die abgeleisteten fünf Extra-Creditpoints nun auf ein anderes Modul übertragen werden? Die Theorie meint „Ja“, aber die Praxis bestätigt das nicht immer. Die Punkte können auch verfallen, wenn man sich nicht in nervenaufreibende Verhandlungen mit Studienbeautragten und Dozenten begibt.

Man bedenke auch die CreditpointInflation: So manch ein Dozent vergisst allmählich, dass auch die Vorlesung im Hörsaal Zeit raubt und in die Arbeitsrechnung ein?ießen muss. Creditpoints haben das Lernen nicht einfacher gemacht, sondern die Bildung zu einer Währung verkommen lassen. Eine Umkehrung dieses Prozesses ist utopisch, also muss man nun mit der Wissenswährung zu Recht kommen.

Wir brauchen eine Creditpoint-Gewerkschaft

Die Frage ist: Wer legt fest, was ein Creditpoint wert ist? Studenten sind der Willkür von Dozenten ausgeliefert, können sich ihre Arbeit nicht adäquat bescheinigen lassen. Wir brauchen eine „Creditpoint-Gewerkschaft“, kurz CPG, inklusive Streikrecht. Vielerorts fehlt es an einer starken Organisation, die bei Verhandlungen um Modulpläne den Studenten eine Stimme verleiht. Die auch mal den Dienst quittiert, wenn Rektoren und Professoren gegen die Interessen der studierenden Mehrheit an den Unis entscheiden wollen. So eine Gewerkschaft ist überfällig, denn die Studenten wissen aus eigener Erfahrung, was sich im Bologna-System ändern muss.

Wir brauchen „Tarifverhandlungen“ darüber, wie beispielsweise Vorlesungen und Seminare in die Punktrechnung eingehen. Wir brauchen Fairness statt Willkür: Wie viel Arbeit steckt wirklich in einer Hausarbeit, was musste der Student für sein Referat leisten? Und vor allem: Was passiert, wenn sich Modulpläne ändern? Einzelgespräche helfen nicht weiter, wir brauchen endlich Verbindlichkeit. Die CPG muss europaweit agieren, wenn es der Bologna-Prozess ernst mit uns meint. Bisher ist es ein Spießrutenlauf, die Universität zu wechseln und bereits geleistetes mitzubringen und weil jede Uni ihren eigenen Creditpoint-Wechselkurs hat. Was ein Student hier geleistet hat, muss dort nicht anerkannt werden. Damit muss Schluss sein!

Wer in heutigen Zeiten um seine Arbeitspunkte kämpft, gilt sehr schnell als kleinkarierter Faulpelz. Diese Sicht ist engstirnig, denn bei Creditpoints wird jetzt schon hemmungslos getrickst. Und solange die angehenden Akademiker nicht nach der Stechuhr lernen, braucht die Entlohnung der Studenten endlich klare Maßstäbe – für echte Vergleichbarkeit. Und für mehr Ruhe in der ersten Semesterwoche.

***

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.nichts los. warum?

"Ben Foertsch" / www.jugendfotos.de

Es geht nicht immer nur ums Geld. Foto von "Ben Foertsch" / http://www.jugendfotos.de

Mensch Mensch, hier ist ja schon lange nichts mehr passiert und geputzt auch niemand. Ja, ich komme nicht so richtig hinterher mit dem Schreiben neuer Blogeinträge, aber vielleicht liegt es auch daran, dass Twitter, Facebook und Buzz mir das Leben so viel einfacher machen.

Zum Beispiel die Idee mit dem Sonntagssong fand ich anfangs ziemlich toll, aber als ich dann immer wieder mitbekommen habe, dass ich Videos die ich toll finde und wofür ich Werbung machen wollte, nicht einbinden konnte, verging mir die Lust und ich habe lieber nur noch den Link „getwittert“. Es zeigte mir, dass verschiedene Menschen nicht die Liebe zur Kunst, zur Musik im Mittelpunkt ihrer Arbeit sehen, sondern nur den Profit. Und wie soll sich der Profit vermehren, wenn jemand kostenlos ein Video in seinen Blog einbindet!? Lange Gedankengänge, viel Aufregung und es macht die Sache nicht besser.

Ich werde mir für 2010 vielleicht etwas neues einfallen lassen, aber es ist schon schwer etwas zu finden, was ich gut kann, aber zugleich unabhängig von Labels oder Urheberrchtsunternehmen bin. Dazu will ich aber klarstellen, dass ich kein Fan der Kostenlos-Kultur bin, aber ich denke auch nicht, dass das aktuelle Urheber- und Lizenzrecht den Prozessen des Internets entgegenkommt. Ich denke, dass zum Beispiel die Creative Commons-Lizenzen ein guter Weg sind, obwohl damit vieles noch nicht geklärt ist.

Okay, dies war nur eine kurze und abschweifende Erklärung, warum mir zur Zeit die Motivation fehlt, hier jede Woche einen Song vorzustellen zu wollen und dann geht es doch nicht. Aber ich denke, dass ich in den nächsten Wochen wieder mal mit irgendwas anfange.

Wenn jemand eine Idee hat, was die Ohren hier flimmern lässt, dann kann das gerne auch in die Kommentare.

Bis dahin verweise ich auch nochmal gerne auf das Projekt Jugendfotos.de, welches die Creative Commons-Lizenz sehr schön umgesetzt wird: Junge Fotografen können ihre Bilder hochladen und nicht-kommerzielle Projekte, wie zum Beispiel Schülerzeitungen oder Blogs können die sehr guten Bilder herunterladen und unter einer CC-Bedingungen verwenden. Mit Jugendmedien.de versuchen wir (ein ehrenamtliches Team aus dem Umkreis der Jugendpresse Deutschland) die Idee von Jugendfotos auch auf andere Medien (Texte, Videos, Audio etc.) auszuweiten.

Jetzt bin ich schon wieder abgeschweift (abgeschwoffen?) und dabei wollte ich nur kurz eine Erklärung loswerden. Hm…

Schöne Grüße und vielen Dank fürs Lesen, andi

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