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Archive for 7. April 2008

Hunde verboten

Irgendwie muss ich zur Zeit eine kleine Frühjahrsmüdigkeit haben, weil ein bisschen habe ich die NATO-Versammlung in Bukarest verschlafen. Obwohl ich gerade selber in Rumänien bin, (Ja, Bukarest ist die Hauptstadt Rumäniens und nicht Budapest;) habe ich mich erst ein bisschen dafür interessiert, als ich unser Wasser bezahlen musste und der Administrator beim Quittungsausstellen meinte: „Are you for or against the NATO?“ Ich musste lächeln, aber war gleichzeitig verlegen, da ich kaum Ahnung von der NATO habe.

Also keine, die mir eine Meinung erlauben würde. Ich glaube das liegt daran, dass für mich jenes Bündnis immer noch eine Art Relikt des Kalten Krieges ist. Auch die neuesten Entwicklungen haben kaum etwas von dem kühlen Charme verloren hat, wenn ein amerikanischer Präsident gerne ein Land in der NATO haben will, was an Russland grenzt. Nun gut, es würde jetzt zu weit führen. Eher haben mich dann ein paar andere Aspekte interessiert, zum einen, wie die rumänischen Medien das Event aufnehmen und das Wort Event ist dabei wohl treffen, denn der erste Rund-um-die-Uhr Nachrichtensender Realitatea berichtete von dem Treffen im Palast des Volkes, ein bisschen wie von einem Popkonzert: „Die ganze Welt schaut auf Bukarest, wo sich die Weltgeschichte ändert“. Weiterhin wurden immer wieder die gleichen Bilder eingespielt und einiges, was ich mir übersetzen konnte, war mir mehr als unkritisch kommentiert. Es wurde eher nur die Rede von Putin immer und immer wieder zitiert (bestimmt auch andere Reden, aber ich habe nur die des „Ţarul – Zaren“ gesehen).

Auch von den Festnahmen oder Protesten rund um die Versammlung wurde wenig gezeigt, lieber schaute man hinter die eigenen Kulissen und interviewte sich selbst. so sehr will ich das nicht kritisieren, sondern fand es schon fast amüsant und ich glaube auch kaum, dass der ziemlich neue Nachrichtensender so viel Einfluss bzw. Ausstrahlung (im wahrsten Sinne des Wortes) besitzt, dass er stellvertretend für die Berichterstattung sein sollte, dazu mal in den nächsten Wochen mehr. Aber eine Nachrichtenmitteilung war dann doch mehr als lustig: nach dem Abschluss der Versammlung, als Bush und Putin schon auf dem Weg ans Schwarze Meer waren, stand eine schöne Reporterin vor dem Palast und erzählt, dass nun wieder alle Straßenhunde freigelassen werden.

Na toll, da hat man also extra für das „Ereignis des Jahres“ alle Straßenhunde eingefangen, um sie dann wieder frei zulassen. Vielleicht muss man das ein bisschen ausführen, was bestimmt Michaela noch besser kann als ich. Aber auch hier in Cluj, wie in fast allen anderen Städten Rumäniens gibt es ein großes Straßenhunde-Problem. Man muss in der Nacht Angst vor den Hunden haben, dass man von denen angefallen wird. Viele können auch von Bissen berichten. Ich wurde schon selber öfters auf dem Heimweg von einem Hund verfolgt, der so zwar ruhig war, aber wenn ein Taxi vorbei fuhr, an deren Reifen sich festbeissen wollte. Merke: ein fahrendes Taxi!

Es ist also kein amüsantes Schauspiel, wie in dem Buch von Herr Lehmann, wo man zum Schluss neben einem betrunkenen Hund liegt, sondern eher das Gefühl, als ob man Schlägern in der Berliner U-Bahn gegenübersteht. Und so bleibt die Frage, warum man für das Treffen der NATO vier Tage lang die Hunde eingesammelt hat? Also vielleicht damit der BushGeorge nicht gebissen wird, da der sich ja so viel frei in der Stadt bewegen würde. Hätte man die Hunde nicht als Geschenk nach China schicken können oder Putin fragen können, wie man unliebsame Gestalten am besten verschwinden lassen kann? Somit dürfen die Hunde wieder durch die Straßen von Bukarest streunen, Menschen beißen und keine NATO weit und breit.

Ich glaub, da ich leg mich lieber wieder schlafen.

P.S. Ich habe nichts gegen Hunde und hoffe auch, dass sich keinen Tierschützer nun an mein Blog ketten oder so, aber wenn man in Rumänien in der Nacht durch die Straßen läuft und vor einer Horde halbverhungerten Hunden steht und jene einen anbellen, dann hört die Tierliebe auf.

[Bild von Jugendfotos.de]

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