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Archive for Dezember 2007

So, nun kann ich mich endlich auch mal daran beteiligen, eine Liste zu Weihnachten bzw. zum Ende des Jahres herauszugeben. Endlich? Ja, weil es nun mal die Zeit gut mit mir meint und man nicht erst am 3. Jänner aufwacht und sich sagt: „ach, dann nächstes Jahr“.

So nächstes Jahr ist nun jetzte (ja hier wird noch berlinert!) und somit habe ich zwölf Songs zusammengestellt, die in etwa (ganz radikal gekürzt) sehr oft von mir in diesem Jahr gehört wurden und mich an etwas erinnern. Zum Beispiel an den verlorenen Weihnachtshund in Rumänien, der von Geistern entführt wurde und dann mit Rollschuhen unter den Pfoten den Berg hinab in Tal sauste. Verrückt.

weihnachtshund 2007

So lese her:

Sumo – Schwelm

Schon seit dem letzten Jahr hat mich wohl keine Band so sehr begleitet, wie Sumo. Natürlich hat es auch mit einem freundschaftlichen Verhältnis zu Andu zu tun, aber viel mehr damit, dass Sumo dieses Jahr eines der schönsten Alben endlich herausgebracht haben. Der Song wurde als einer der letzten fertig und zeigt einfach, wie verdammt gut die Band ist, der Song ist eine wunderschöne und ehrliche Ballade und sie erinnert mich selbst an wunderbare Autofahrten mit der damaligen Freundin oder auch an Konzertmomente, die mir die Band gegeben hat und hoffentlich auch in der Zukunft gibt, wenn sie ganz groß sind und ihr Publikum mit Bier bespritzen und Jungfrauen zersägen, aber dann an die „hellste Nacht in diesem Jahr“ denken.

The Killers – Tranquilize (Feat. Lou Reed)

Die Indie-Armee kann mich jagen, finden und verhaften, aber der Song ist einfach toll. Die Grenzen zwischen Kitsch, wenn man sich einen alten Meister einlädt und kompletter verfickter Advantgarde wurde eingehalten und so stört vielleicht dieser Kinderchor, den Morrissey besser einsetzen konnte, aber ein Lou Reed der immer wieder den jungendlichen Leichtsinn nimmt, das Lied in Bahnen lenkt und sagt, dass die Welt nur mit ehrlicher Coolness zu gewinnen ist, ist grandios. Eine Rettung für den Indiepop, aber bitte nicht das Video anschauen.

Soko – I kill her

Frau zum Verlieben, die I.

Wenn ich eines auf ErasmusParties dieses Jahr gelernt habe, dass Spanier kein Wort Englisch können und Franzosen es schon, aber es ungerne zugeben würden und deswegen sich immer wieder in ihr Französisch retten. Gut, vielleicht auch um mit mir keine komische Gespräche führen zu müssen, da würde ich das ja auch so machen. Manchmal will ich ja selber nicht mit mir reden und rede dann Englisch, was ich nicht verstehe. Soko ist wohl nach Amelie die Süßeste Französin, die ich nur aus Medien kenne und sie hat mit dem Song „I kill her“ eine wunderbare süß/saure „Ballade“ geschaffen. Wunderbar und man ist traurig, dass es nur eine EP zurzeit gibt, die sie zu gerne auch noch einstampfen würde, weil sie die Songs zu glatt und süß findet. Manchmal ist es ein Fluch zu gut zu sein. Ja Soko, kill her!

Feist – I feel it all

Frau zum Verlieben, die II.

Die Frau war für mich dieses Jahr eine Enttäuschung, denn gerade habe ich noch mit ihr zusammen auf dem Bett gesessen und über ihre neue Platte gesprochen und über Berlin, weil dort ja auch Teile der Platte entstanden sind und auf einmal macht man die Augen auf und sie ist nicht da und Berlin auch nicht. Berlin sieht man wieder, aber Feist bleibt ein Traum, der so schön ist, weil diese Frau mich in diesem Jahr so oft an die Hand genommen hat, damit ich verdammt noch mal doch etwas auf die Reihe kriegen soll und dann nimmt sie einen nicht nur an die Hand in ein Flugzeug nach Rumänien, sondern gibt im Zielland die Hand noch weiter in die Hände von Sarah, die echt ist, aber auch ein Traum. Hach Leslie, Danke, I feel it all and find a place with Pfütz!

Bloc Party – Kreuzberg

Die Stadt Berlin lässt einen keine Ruhe und dann kommen noch die Jungs aus London um die Ecke, von denen auch schon einige in Berlin wohnen und erinnern daran, was die Stadt mit einen macht. Getrennte Liebe und ein komisches Gefühl nach dem Sex. Ja, das Heimweh ist da. Jedoch in 20 Jahren werden Künstler über Cluj-Napoca solche wunderbaren Lieder schreiben und die findigen Musikjournalisten sollen sich dann an diesen Satz hier erinnern!

Btw. Auch die Beatsteaks haben dieses Jahr einfach das „Kreuzberg“ in einen der tollsten Songs verpackt. Na, in welchen?

Radiohead – 15 Steps

Es war ein Trauerspiel dieses Jahr mit Radiohead und ich glaube auch, dass jetzt zum ersten Mal auf meiner Seite etwas zu Thom Yorke und Co auftaucht. Denn eines hat Radiohead gezeigt, was mich traurig werden ließ. Nicht, diese Marketing-Aktion, dass die Fans selbst sagen können, wie viel ihn das Album wert ist, was an sich ja keine schlechte Idee ist, aber darüber sollen andere reden. Was mich vielmehr gestört hat, dass diese Aktion gezeigt hat, wie weit im Hintergrund die Musik als Kunst gerückt ist. Als das Album herauskam, ich ein Zitat daraus auf einer Seite veröffentlichte, kam als erste Frage: „Wie viel hast du bezahlt?“ Ist das nicht mal scheißegal? Die erste Frage sollte IMMER lauten: „Wie findest du es? Wie hört es sich an?“ Mensch, Musik ist Kunst und kein Brot im Laden, wo man fragt: „Oh wie teuer war es?“ Natürlich sollen Künstler ihr Geld mit Musik verdienen, aber es sollte nicht im Mittelpunkt stehen. Fragte jemand Leonardo da Vinci bei der Mona Lisa „und wie viel kostets?“ Oder Kant „Ja gute Theorie und für wie viel stellste die nun ins Netz?“ Nein.Nein.Nein. Schade, dass der Punkt beim Radioheadalbum so zum Vorschein kam, wie er schon lange von Musikindustrie (<-allein das Wort) und Medien praktiziert wird. Schade deswegen, weil das Album verdammt gut ist!

Okkervil River – Our Life is not a Movie or Maybe

Als Tatjana Tolstoia über einen Fluss in St. Petersburg schrieb, dachte sie bestimmt nicht daran, dass in Texas ein junger Songwriter das Gedicht lesen würde und den Namen so gängig macht für gute Folkmusik aus Amerika, die keine ist. Will Sheff muss ich dieses Jahr mehr als dankbar sein, denn er hat Songs geschrieben, die meine Ohren vor Leidenschaft verglühen lassen und so viele Menschen angesteckt haben und das einfach nur in dem man Irrglauben (wie in diesem Song) widerlegt. Indem man sagt, dass das Leben in einer Band kein Champusbad ist, sondern auch schwere Arbeit. Ehrlichkeit du machst mir glücklich. For Real!

die ärzte – Living Hell

Es gibt wohl keiner Band, der ich so viel verdanke, wie den die ärzte. Denn mit denen habe ich angefangen Musik wirklich zu hören. So ging es wohl vielen in Deutschland und somit sind sie auch heute noch die beste Band der Welt. Ja man kann das auch sehr gut ohne Zitation schreiben. Leider war ich vor dem Release von „Jazz ist anders“ genauso angespannt, wie vor dem letzten Release der Beatsteaks, weil man hat halt Angst, dass es schlecht wird. Ist es aber nicht, sondern verdammt gut und der Song steht ein bisschen stellvertretend für mein eignes Verweilen, denn man hat manchmal schon Luxusprobleme. Aber mit den Bewusstsein wird sich das auch weiter ändern und man weiß, dass man in keiner Hölle lebt, aber es andere Menschen tun und wenn man die Chance hat, ihnen zu helfen, dann sollte man es tun. Nicht mit einen komischen Film über Global Warming oder ner zehn EuroSpende, sondern mit dem Bewusstsein, dass wir uns selber eine Hölle schaffen, wenn wir unsere Grundgesetze aufgeben und die Hölle ausweiten, wenn wir anderen Menschen nicht helfen. Gut, jetzt ist das ausgeufert, denn eigentlich ist Farin U. nur den vielen Sex satt. Alles in Ordnung.

Grimus – in a glimpse

Irgendwann saß man dann mit einem Songwriter betrunken im FIRE und redete über die neue Musik in Rumänien und man freute sich mit einem Auge. Denn Vali erzählte, dass gerade viele neue Rockbands in Rumänien entstehen, aber es problematisch ist, weil es kaum Produzenten gibt. So lacht das eine Auge, während das andere weint, denn als ich dann Grimus das erste mal live sah und bemerkte, wie die Leute sich freuten und der kleine KellerClub bebte, wollte ich sofort, dass die ein Album herausbringen und diesen frischen, nicht superneuen Sound unter die Massen bringen. Leider dauert das noch, denn Techno ist vorherrschend und wird auch dementsprechend produziert, aber es lässt sich auf nächstes Jahr freuen, wenn endlich dieses FEUER auf eine CD gepresst werden kann.

Kumm – 1000 Chipuri

Ein bisschen weiter sind da schon Kumm, die schon ein paar Alben auf den rumänischen Markt haben, die auch nicht schlecht sind, aber schon sehr professionell und nicht ganz so frisch. Aber auch hier geht es ab, wenn der Song über die 1000 Gesichter gespielt wird und ich bin froh, wenn ich den mal in Deutschland abspielen könnte. Das würde lustig werden und man verschüttet gerne das Glas mit Tuica.

Muse – Plug in Baby

Die Erinnerung wird lange bleiben, weil sie sich mit einer wunderbaren Geschichte dieses Jahr verbindet. In einer Nacht kamen wir halbbetrunken aus einem Club in Cluj und trafen auf Sorin und Alex, die mit ihren Freunden auch noch was trinken gehen wollten und schon saßen wir nach zwei Wochen in Rumänien endlich mit Rumänen in einer Bar und tranken bis die Sonne schon lange wieder aufgegangen war. Weiter ging es dann nach Bukarest, wo man sich auf einmal auf einem unfassbar tollen Konzert von Muse wieder fand, wovor ich mich bis heute drücke, eine Rezension darüber zu schreiben, denn das kann man niemanden erklären, der es nicht selbst erlebt hat, was dort abgeht. Und das in der Hauptstadt von Rumänien. Bis heute unglaublich, aber wahr und daher so unfassbar schön. Was jedoch noch viel schöner ist, dass wir mit Alexandra und Sorin immer noch trinken gehen.

Moneybrother – Down at the R

So gut, wie es mit einigen Freunden lief, lief es auch dieses Jahr nicht mit allen. Rumänien ließ nicht nur neue Freunde treffen, sondern auch alte in eine schreckliche Ferne rücken. Da kam manchmal Moneybrother schon sehr recht, der endlich seine Joana überwunden hat und mit seinen Freunden etwas trinken ging. Eigentlich schade, aber das gehört wohl dazu, dass manche Entscheidungen nicht rückgängig zu machen sind.

Der Song ist aber auf der anderen Seite sehr gut und somit soll diese kleine Zusammenstellung auch enden, dass bei mir immer der Pessimismus mitspielt, aber ich auch dieses Jahr wieder mehr als glücklich sein konnte, wie alles lief und dafür danke ich Jeden, der daran beteiligt war! Multumesc!

 

Im Endeffekt bleibt es bei Kettcar: „Das Gute an schlechten Zeiten: Pferde satteln, weiterreiten!“ Dabei macht man das fast nie alleine. Ich vermisse euch alle und werde bald auch wieder zu verschiedenen Punkten zurückreiten und hoffen, dass ich da auf Euch treffe!

 

Sabatori Fericite, Frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr.

 

 


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.wichtiger konzerttipp

Auch wenn gerade die letzten Geschenke gekauft werden, gehofft wird, dass die Kreditkarte hält und man auch niemanden vergessen will, kam bei mir gerade ein wunderbarer Konzerttipp herein, den ich copy und paste von Gastspielreisen hier fallen lasse:

PRESSEMITTEILUNG | ct creative talent gmbh | gastspielreisen rodenberg |
Berlin 20.12.2007 |

Konzert für Florian Opitz und Andy Lehmann mit Tomte und Wir sind Helden!
Wir sind Helden und Tomte spielen am 05. Februar 2008 im Hamburger Docks ein Benefizkonzert für die Pressefreiheit, das von Reporter ohne Grenzen
unterstützt/präsentiert wird. Anlass für das Konzert ist die Verhaftung des
deutschen Filmemachers Florian Opitz und seines Kameramanns Andy Lehmann Ende September in Nigeria. Beide waren während einer Recherchereise für einen Kinodokumentarfilm am 22. September im Nigerdelta vom nigerianischen Geheimdienst verhaftet, verschleppt und schließlich der Spionage und des Visumsbetruges angeklagt worden. Zwar durften Opitz und Lehmann nach erheblichem diplomatischem Druck Anfang November 2007 nach Deutschland ausreisen und wenig später wurde das Verfahren gegen Sie komplett eingestellt, doch sind den beiden Filmemachern 60 000 Euro Anwaltskosten entstanden. Der komplette Erlös des Benefizkonzertes kommt den Filmemachern zu.

„Wenn zwei Freunde aufgrund ihrer Überzeugung und ihrer aufklärerischen
Arbeit in die (finanzielle) Bredouille kommen und man wie wir in der
glücklichen Lage ist sie durch Musik daraus zu befreien, ist es das mindeste
was man machen kann!“ Thees Uhlman.

Wir sind Helden und Tomte werden jeweils ein komplettes Konzert an diesem
Abend spielen. Damit wir das Konzert in dieser Bandkonstellation etwas sehr
spezielles und dieser Form einmaliges werden. Dem besonderen Anlass
entsprechend!

Visions, Delta Radio, Szene & Mopo präsentieren …

Konzert für die Pressefreiheit

05.02. 2008 Hamburg, Docks … mit Tomte und Wir sind Helden

Tickets € 26,00 zzgl. VVK. Gebühren exklusiv beim Kartenhaus
(www.kartenhaus.de)

Weitere Informationen unter:
www.3sat.de/kulturzeit/themen/115486/index.html
www.dergrosseausverkauf.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

Bandseiten:
http://www.tomte.de
http://www.wirsindhelden.de

Jedoch sollte es nicht darum gehen einfach mal Anfang nächsten Jahren gute Musiik zu erleben, sondern auch daran denken, dass den Luxus (Menschenrechte), den wir hier gerade zu Weihnachten mit dicken Tüten genießen kein ewiger Zustand sein muss und wir ihn nicht nur bei uns schützen, sondern auch woanders fördern müssen. So wie es auch Florian Opitz und Andy Lehmann versuchen. Dank und Applaus und einen Glühwein dafür!

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.ganz ehrlich!

Es hat so viele Vorteile im Ausland zu studieren. Also ganz viele. Viele viele Propiele. Da es so viele sind, werde ich jetzt einen herauspflücken, der eigentlich nichts damit zu tun hat. Da ist er: dadurch dass meine Universität in Cluj eine multilinguale Lehranstalt ist, werden hier für die deutsche Linie auch sehr gerne Professoren aus dem deutschsprachigen Raum angeworben. Ich habe endlich meinen eigenen „Professor aus Heidelberg“ und auch zwei Dozenten aus Wien. Dadurch, dass auch Wien bekanntlich Deutsch gesprochen wird und auch im nächsten Jahr die Österreicher von den Deutschen geschlagen werden, auf dem Fußballplatz natürlich. Bevor der Nazometer anspringt. Zurück. Was mich so fasziniert, ist das österreichische Deutsch, weil jenes so überlegt herüberkommt. Ein Wiener spricht wohl so langsam, weil jedes Wort überlegt ist und keine Fehler passieren. Hier wird sich nicht lächerlich gemacht. In der Sprache genauso wie beim Schnitzel und dem Kaffee.

Lächerlich machen sich dagegen lieber deutschsprachige Deutsche. In dem sie gerne Phrasen in die Welt setzen, die keinen Sinn haben. Dort fängt es ja schon an: viel zu gerne wird gesagt, dass es „keinen Sinn macht„. Der Satz ist aber falsch, weil nichts einen Sinn machen kann, da ein Sinn vorhanden ist und nicht produziert werden kann.

Nun gut, weg von dem eingedeutschen Anglizismen hin zu zwei Beispielen, die mich einfach aufregen, wenn sie den Kopf den Mund oder schriftlich verlassen. Eines davon ist schon ein bisschen älter, wird aber immer noch gerne verwendet: „Das war ironisch gemeint.“ Schön wärs. Denn meistens wenn dieser Satz ausgesprochen wird ist das eine Reaktion darauf, dass man sieht, jemand anderen Beleidigt zu haben und um nun nicht doof da zustehen, schnell ein „das war doch ironisch gemeint.“ hinterher und alles ist wieder gut. Diese Entschuldigung klappt nur leider in den seltensten Fällen, weil Ironie eine ausgeklügelte literarische Form ist, die nicht einfach mal so von jedem Pöbel, der mal eine Buchstabensuppe gegessen hat, verwendet werden darf. Okay, vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich habe es doch nur ironisch gemeint. Nein, das habe ich nicht. Ich habe nicht das Gegenteil gemeint, welches ich jetzt durch die verschärfung des Gegenteils erkennen lassen möchte, sondern ich habe es so gemeint. Sorry, aber auch wenn nun wer beleidigt ist, dann entschuldige ich mich nicht aus der Verlegenheit heraus mit „das war doch nur ironisch gemeint!“, sondern höchstens: „Tut mir leid, das war jetzt ein bisschen hart, aber manchmal bin ich halt ein arroganter Arsch.“ Heuchlerei und Fremdwörter können eine gefährliche Mischung sein.

Ein anderes in meinen Ohren bisschen jüngeres Beispiel hat mich heute zum erstmal schriftlich erreicht. Davor war es mir nur sprachlich bekannt und zwar, wenn Sätze anfangen mit: „Ganz ehrlich?“ Was soll man darauf antworten? „Nein, Nein, lüge mich ruhig an!“ oder „Ja wäre nett, wenn du es sonst schon nicht bist.“ Meistens ist ja diese pseudo-rhetorische Frage (so nenne ich es, weil ich weiß, dass der andere keine Antwort erwartet und es mir die Sprache verschlägt, aber eigentlich ist die Frage ja nicht rhetorisch, denn die Antwort ist nicht bekannt.) immer damit verbunden, dass der der die Frage geäußert hat, mit einer eher negativen Kritik folgt und irgendwie diese Kritik in Watte verpacken will. Ich glaube einer, der einen Satz damit anfängt denkt sich: „Okay ich sag ihr jetzt, dass die in der Hose dick aussieht, aber ich sag es ihr ganz ehrlich, da wird sie schon nicht böse sein.“ Das ist doch Schabernak. Oder hat es schon jemals so einen Dialog gegeben:

Mann: „Ganz ehrlich? Du bist dick geworden.“

Frau: „Waaaas? Ich würde dir gerne sauer sein, aber du hast es ja ehrlich gemeint. Oh Danke!“

Dies ist eine Sprach-Utopie.

Gut, der Mann kann sich noch mit Ironie retten: „Ach du bist nicht dick, das war nur ironisch gemeint…“ Auch das klappt nicht. Dann sollte man doch lieber diese unüberlegten Phrasen stecken lassen und lieber seine Frau oder Freundin oder Beleidigten auf eine Wiener Melange einladen und auch mal nichts sagen.

Ganz ehrlich!

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