Lokalisten.de macht ja gerade Werbung damit, dass man immer irgend wen über fünf Ecken kennt und deswegen auf Parties nie wieder alleine ist. Oder war es wer-kennt-wen oder doch wer ganz anders? Egal, auf was ganz anderes will ich hinaus: Jeff Tweedy. Also manchmal lernt man ja auch Bands erst durch ihren Sänger kennen, beziehungs.weise (endlich passt das Wort mal) den Sänger und dann die Band.
Also bei mir war es irgendwann vor vielen Jahren mal so, dass ich auf ein Solokonzert von Jeff Tweedy gestoßen bin, er ruhig mit Gitarre und in intimer Runde, ein Wohnzimmerkonzert halt, Letters to Santa Benefit - der Name. An diversen Stellen im Internet ist dieses Konzert auch noch zu haben und ich kann es jeden nur empfehlen. Auch mein Bewusstsein für den Sänger wurde durch diese Aufnahmen stark geprägt, wenn jemand so die Worte in Jesus etc. ausssingen kann: „Jesus, don’t cry / you can rely on me honey / you can combine anything you want / I’ll be around / you were right about the stars / each one is a setting sun“ Auf jeden Fall musste ich mir danach nochmal die Sachen von Wilco, die ich schon besaß neu anhören, besonders Impossible Germany hat es mir angetan, wegen dem wunderbaren Gitarrensolo von Nels Cline.
Auch auf den neuen Album, dessen Name Wilco (the Album) vermutlich stellvertretend für die Unaufgeregtheit der Platte stehen soll, drückt sich Cline an Tweedy vorbei und gibt den sehr folklastigen Album die besondere Note, damit es doch mehr ist, als nur Folk von einem ruhigen Tweedy. Wegen Cline höre ich mir das Album sehr gerne an (besonders Everlasting und Bull Black Nova), aber lieben werde ich es wegen einer Gastsängerin, die niemand geringes ist, als Leslie Feist in You and I. Im Gegensatz zum Schlagzeug lässt es mein Herz schneller, aufgeregter schlagen. Anders als die letzten Alben, besonders Yankee Hotel Foxtrott und Sky Blue Sky, ist es das homogenste und ruhigste Album, auf den nur Cline und seine Gitarre ausbricht, der Rest der Band bleibt lieb hinter Tweedy zurück und auch das Klavier in You Never Know wird nicht im Gedächtnis bleiben.
Empfehlenswert ist das Album trotzdem, besonders wenn man im Auto, am Kanal, am Strand oder irgendwo sitzt. Nur sitzen sollte man. Anders als das Kamel auf dem total geilen Albumcover, was auf die Gäste für Party wartet, die sich dann wiederum setzen werden, um das angenehme Album zu hören. Wie schon einst in dem Wohnzimmer mit Jeff ohne Lokalisten.de.
Leider haben es die Plattenfirmen ja immer noch nicht begriffen, dass das Internet nicht böse ist und deswegen kann ich nur die erste Single You never know so einbetten (ohne Video):


