“Die Schööönheit der Chance” – Jürgen Vogel singt Tomte
Das Schönste sind schöne Überraschungen. Also A. keine bösen Überraschungen wie ein Bus, der zufällig auftaucht, wenn man die Straße überquert und B. auch keine geplanten Überraschungen, wie das schauspielerische Talent, welches man aufbringen muss, wenn man von einer „überraschenden“ Geburtstagsfeier zu seinen eigenen Ehren erfährt. Nun gut, also der Anfang war gemacht, als ich suprise surprise vor einem Monat Karten für das Fest van Cleef in meinen analogen Briefkasten hatte. Freude. Zwei Karten für ein Festival, auf das man gerne schon letztes Jahr gegangen wäre, aber was man nur besuchen würde, wenn es in der Nähe wäre. Gut, jetzt war es 600 Kilometer entfernt, aber trotzdem, war der Dank mit einem gewissen „positiven Zwang“ verbunden, weil man schon gerne hinwollte und nun waren die Karten auch schon da. Also wird der Zug zu Spät gebucht und man ist auf dem Weg in die Stadt mit einem der schönsten noch intakten Schlössern in Deutschland, nein nicht Schwanstein.
Weiter gings, mit einer der besten Freundinnen der Welt, in den Lindenpark und es wurde intim, nicht mit der Freundin, aber die Atmosphäre, nicht sofort, aber langsam und stetig, so wie das gezapfte Bier in die Becher floss, ohne Pfand (danke).
Dann war auch schon der Thees auf der kleinen Bühne mit dem gelben, gewellten Dach, um zu erzählen, wie er bei einem schlechten Indie-Interview à la „früher wart ihr besser, weil noch nicht bekannt“, (was totaler Quatsch ist*.) für eine Platte hörte (hören musste).
Egal.
Jedenfalls die Band, auf der gehörten Platte, war die erste Band des heutigen Festivals. Unbekannt und jung, aber das sollte noch nicht die Qualität aussagen, sondern die musste sich verdient werden. Vorschusslobeeren gibt es aber viele, von einem begeisterten Thees und von uns beiden, weil wir nach vorne gingen. Die Kilians (ein „the“ würde beim Sound passen, aber das habe ich nicht mal auf dem Plakaten zu der Veranstaltung gefunden). Also es kommen nun Drummer, Gitarristen (2x), Bassist und Sänger auf die Bühne und fingen an zu begeistern mit schönen netten Rock.
Wir überlegten dann wie der Status der Fünf wohl in der Schule gewesen war und das gute Geschlabbere vom Sänger, deutete auf den Status des Klassenkaspers hin, die Intensität der anderen, die Konzentration auf ein gutes Spiel (was gelang), deutet auf den Status hin, dass die meisten in deren Klasse wohl nicht mal gewusst haben, dass die in der gleichen Jahrgangsstufe waren, aber dies haben die Jungs wettgemacht, indem sie schon früh die bessere Musik gehört und sich dafür interessiert haben und mit dem Musikexpress oder der Visions in der vorletzten Reihe saßen und dann früh The Clash, Mando Diao und The Strokes, aber wohl auch New Order hörten, weil das ist in dem Sound wiederzuhören. Der Klassenkasper hält mit seiner doch sehr imposanten Stimme das Publikum bei Laune, aber auch mit einer schicken Anekdote von Bushido, mit der Auflösung der Story (nach dreimaligen hinweisen „nach dem nächsten Song erzähle ich euch die Story“), endete dann auch die Show und Kilians hinterließen einen sehr, sehr guten Eindruck und ich daher auch später vier Euro für die EP. Fein. Nun Bier geholt und schon beim nächsten Thema, weil die nächste Band kommt aus der „Bierhauptstadt von den USA, Milwaukee“ Thees und das führt zu einer anderen sehr lustigen Sache auf dem Fest – denn auf dem ganzen doch recht übersichtlichen Gelände bzw. eher ein Skaterparcours gab es etwa sechs Bierstände und nur einen klitzekleinen Grill, der auch noch zum Unmut führen sollte, aber dazu später mehr. Bier war Rex Pils, aber es ging. Und nun spielten Maritime, sie waren gut, sehr schön und alles und werden auch bald wieder den deutschen Musikmarkt mit einem neuen Album im Herbst beglücken, was Freude machen wird. „We, the vehicles“ war ja auch schon sehr gut bzw. ist es.
Das Bier wollte nen Partner haben und der sollte wohl nach der Sprache des Körpers eine Bratwurst sein und schon ging es hin zu dem zu kleinen Grill und was noch viel besser war, dass der Griller den Kampf gegen die tiefgekühlten Bratwürste nicht gewonnen hatte und somit wurde man unfreiwillig auch in einen Kampf mit sich verwickelt der von den Parteien: Hunger, lange Warten, aber jetzt ist man schon so weit vorne (dritte in der Reihe) und Bernd Begemann ist leise im Hintergrund zu hören, ausgetragen wurde. Kämpfe am Grill, so etwas hat man noch nicht gesehen, also konnte auch da keiner, denn um es mal mit den Worten von QOTSA oder No Doubt zu sagen, die Kämpfe waren ja nur „In my Head“ und so.
Okay, der Hunger und der Griller hatten dann irgendwann gewonnen und Bernd Begemann konnte einen Teilerfolg erzielen, denn er wurde noch zum kleineren Teil ganz laut gehört. Das war toll, wie vom Bernd zu erwarten und der enttäuscht nicht. Eine weitere sichere Bank für solche Nicht-Enttäuscht-Werden-Geschichten wird dann gebaut, wenn Max Schröder, der Home of the Lame (Felix Gebhardt), der WiebuschMarcus und der Thees auf einer Bühne stehen und in ihrer Mitte der Jürgen Vogel singt.
Hurra die Hansen Band war mal wieder da, die beste Band, die es eigentlich nicht gibt, aber für Phantome waren die GHvC-Allstars sehr, sehr gut und machen soo viel Spaß und wenn ein Jürgen Vogel dann noch die Schönheit der Chance singt, hat es die nächste Band mehr als schwer, denn auf einen guten Trip sollte kein Methadon folgen. Leider kam es so und die von mir eh nicht mehr so geschätzten Kante betraten die Bühne.
Zur Vorgeschichte meiner „nicht mehr so geschätzten“-Aussage: Das Album „Zombie“ fand ich Klasse und höre es auch heute noch ab und zu gerne, aber als sich dann die Kante zu einem Interview auf dem „Berlin05“ anboten, wurde mir gleich klar gemacht, dass Peter Thiessen keine politischen Fragen beantwortet. Dazu muss man zwei Sachen bemerken, dass er das nicht gesagt hat sondern wohl der InterviewTerminVergeber der Band, aber dass auf der anderen Seite Berlin05 unglücklicherweise ein Festival zur politischen Partizipation von Jugendlichen war, dem eine Kampagne namens „Projekt P“ vorausging. Dann sollte man doch damit rechnen, dass man politische Fragen gestellt bekommen könnte und klar kann man dann schon dieses beschränken, aber damit seine Inkonsequenz beweisen, dass man da trotzdem spielt. Komisch. Toco spielten auch auf dem „Berlin05“, nur mal so.
Okay, somit ein lang gehütetes Geheimnis in die Welt getragen, aber das ist jetzt auch zwei Jahre her und nun ist vielleicht alles anders. Gut, das neue Album „Die Tiere sind unruhig“ kenne ich nicht und auch die Stories dazu in den einschlägigen Musikmagazinen haben mich nicht interessiert.
Soviel dazu, dass ich nicht fair in die Beurteilung des Auftrittes von Kante gehen kann, aber eine Chance wollte ich denen lassen und war weit vorne, habe alles gehört und gesehen. Leider war es nicht so gut, die Songs waren zwar perfekt, aber der Kontakt zum Publikum war leider nicht vorhanden und die Kommunikation auf „der nächste Song handelt davon“ beschränkt. Ein paar andere Ansagen waren auch dabei, aber Thiessen ist kalt, wenn er vom Sex singt, wenn er seine Zigaretten raucht, kommt mir das wie kaltes Feuer vor und wenn er versucht das Publikum mit „Paaarty“-Rufen zu fangen, kommt mir auch das kalt vor. Schade, aber der Auftritt hat nichts gut gemacht, aber nichts verschlechtert, sondern den Status Quo gehalten. Auch gut, oder?
Auch Schuehsch war mal auf einem Konzert von denen und wurde nicht verbrannt von Kante.
Es wäre mehr als fies nun zu sagen, dass Kante den Abend vermiest haben und so soll es auch nicht rüberkommen, aber der Auftritt war nicht so mein Ding, nur zum Schluss als die „Zombi“s kamen. Jedoch wäre ein großer Held, der den Abend noch mal richtig rumreisst, ziemlich geil. Ein Held ganz in schwarz.
Wie der Zufall und die Running-Order es so wollte, kamen der Held und seine Konsorten. Es wurde dunkel, um dann ganz hell zu werden und die ersten Akkorde von Deiche erklangen. Feine Sache, Kettcar begeistern immer wieder und fast würde ich sagen, dass ich meinen letzten Bericht korrigieren müsste, weil es doch eine RepeatTaste für Konzerte geben kann, aber eigentlich brauche ich das auch nicht. Denn vieles war gleich, aber andere Sachen auch wieder anders, außerdem fehlte eine schöne, lockige Frau neben mir.
Dafür war mehr Platz zum springen und tanzen, was die ganzen Songs der „HalliGalli-Stimmung“ (Wiebusch) gaben und schon dankten wir der academy und Wiebusch erklärte noch mal warum Balu ein Mädchen-Song ist: „Jede Frau will gerne Audrey Hepburn sein, aber welcher Mann will schon Balu sein? Also ich nicht!“ Ich wohl auch nicht, aber toll war der Song trotzdem, er schloss den Abend/die Nacht wunderbar ab, obwohl sich bei Kettcar die Wolken öffneten und wohl Freudentränen weinten.
Das Fest van Cleef war toll, die Überraschung eine 10,0 und es fuhr die Bahn nach Hause. Jetzt klebt ein großer Affe an meiner Wand, neue Songs in meinem Ohr und ein Lächeln in meinem Gesicht, wenn mich wer fragt oder ich daran denke…Danke!
*Was totaler Quatsch: findet auch der Autor dieser Zeilen. Denn man ist nicht automatisch besser oder schlechter, nur weil man auch mal eine Platte verkauft, genauso sind auch Bands nicht automatisch gut, weil sie unbekannt sind. Es gibt keinen temporär kausalen Zusammenhang, für solche Erkenntnisse von irgendwelchen Autoren
P.S. Bilder von mir, gibt es hier und der Generator hat hier welche.





[...] den Weg gegeben und Herr Selbstbewusstsein kam auf ein Bier vorbei. Das erlebte ich dann vor Kurzem beim Fest van Cleef, als sie schon sehr gut waren. Leider als erste Band und somit war der SkateParcours noch ziemlich [...]