„Feuer frei und weiteratmen!“ – Kettcar
Es ist unglaublich, wie relativ die Zeit doch wirklich ist. Nicht nur Herr Lehmann und die schöne Köchin aus der Markthalle haben darüber lange diskutiert (und ja die Köchin hatte Recht) sondern auch Kettcar und deren Konzert haben Einstein bestätigt.
Kurz: man wartet lange, dann ist es da und schon wieder vorbei.
Lang: Vor Monaten kündigten Kettcar ein Konzert in Münster an, Skaters Palace um genau zu sein, dazu wurden die grandiosen Freunde von Pale eingeladen und schon stand fest: andi und Konsorten mussten das KonzertPferd satteln mit dem Kauf von Karten.
Die lange Zeit des Wartens hatte dann gestern ein Ende und der Weg zum Konzert wurde schon spannend, weil andi an einer ExtraRunde ANGEBLICH Schuld war, obwohl hierbei aus einer Demokratie eine Diktatur gemacht wurden, weil die beiden anderen Begleiter ja nieeee da lang wollten, aber trotzdem der Meinung eines Einzelnen folgten. Wenigsten wurde damit die ÄrgerFigur des Abends gefunden, aber diese ÄrgerFigur steht über den Dingen und ist auch der Einzige, der es schafft auf 15 Minuten Weg nicht rumzuheulen. Soweit, am Ziel angelangt wurde andi der frühere Weg wieder klar und so hätte man es auch erreicht. Dann das traurige Schild, dass Pale nicht spielen könnte und die noch traurige akustische Beobachtung, wenn einer vor einem in der Warteschlange steht und meint, dass diese Nachricht kein Verlust wäre…Sorry lieber von Musik-Nichts-Ahnung-Haber, bitte Karte an der Abendkasse zurückgeben, ohne finanzielle Rückerstattung, aber mit „einer Erfahrung reicher“.
Okay im Skaters Palace, alles süffig wie immer, schön; Bier teuer wie immer, nicht schön. Nach mehren Analysen des Alterdurchschnitt (zwischen 16 und 35) spielte dann schon „The Ghost of Tom Joad“, eine Vorband die da war und naja ähm mal ein bissel laute Musik gemacht hat, aber wohl im Überangebot an lauten Gitarrenbands untergehen wird oder besser werden muss, interessanter. Auf jeden Fall spielten sie gefühlt zu lang. Irgendwann waren dann die drei Monate komplett um und die Halle wurde dunkel, die Menschen rückten mehr zusammen und die ersten Akkorde von „Deiche“ erklangen.
Wunderbarer, aber nicht überraschender erster Song, sogar andi hat es gewusst.
Der zweite Song war dem andi unbekannt und man verstand leider nicht viel; Kettcar sind keine Band wo man hingehen sollte, wenn man die Musik nicht kennt und die Texte nicht schon mal gehört hat, weil auf einem Konzert wird man die kaum erhören, dafür ist der Sound von Wiebuschs Mikro zu schlecht gewesen. Oder lag es an der Halle, die Quarterpipe auf der sie standen? Es folgten tolle Songs, einer Band, die Texte für die Ewigkeit geschrieben haben und immer wieder das Ärgerlichste eines Konzertes einen vor die Augen führen: ein Konzert hat keine Repeat-Taste. Besonders bedauerlich bei „ich danke der academy“, ein Song der sogar als Zitat in einem Referat drei Stunden vor dem Konzert vorkam. Hach war das schön, nach zwei Zugaben endete das Konzert mit einem einsamen Wiebusch auf der Bühne, mit einer Akustikgitarre im blauen Licht gehüllt und er sang über den „Lebenslauf, gebastelt mit den Händen eines Tanzbären“. Ein wunderbarer Abschluss, aber leider kam das Ende zu früh, wie kann eins schöner Moment schon nach 90minuten vorbei sein, wenn man so lange gewartet hat? Und NEIN es ist nicht mit einem Fußballspiel zu vergleichen, weil: viel besser! Seit einem Jahr haben Kettcar nicht mehr live gespielt, was man manchmal sehr schön gehört hat und es so sympathisch gemacht hat, wenn die Band verlegen lächelt, wenn sie sich verspielt bzw. jeder spielt was er gerade dachte. Individualität ist eine Tugend.
Jetzt sind schon fast wieder 24 Stunden um, seit der erste Ton erklang, morgen werden es 48 Stunden sein, aber die Erinnerungen bleiben frisch, als ob man jetzt gerade auf der Reise in einem Taxi zu den Landungsbrücken und ins High-End-Leben ist. Zeit ist ein kurioses Gut, was jeder besitzt und unterschiedlich bewertet, aber gestern waren Menschen an einem Ort im kleinen Münster die die relative Zeit wohl absolut genossen haben.



*neid*
[...] Deiche erklangen. Feine Sache, Kettcar begeistern immer wieder und fast würde ich sagen, dass ich meinen letzten Bericht korrigieren müsste, weil es doch eine RepeatTaste für Konzerte geben kann, aber eigentlich [...]